Wie machen wir mit Kunststoffen weiter?

Der Lebenslauf der Kunststoffe – ein Puzzle aus vielen Teilen (Bild: IMP)

29.10.2021 Wie machen wir mit Kunststoffen weiter?

Ein Betrachtung unter realistischen Nachhaltigkeitsaspekten

von Dr. Arno Arno Maurer (OST – Ostschweizer Fachhochschule, Institut für Mikrotechnik und Photonik)

Über Kunststoffe gibt es viele Meinungen – verständlich bei einem so komplexen Thema, das von Technik, Wirtschaft, Politik und Verbrauchern gleichermaßen bestimmt wird. Je vielschichtiger ein Thema und je emotionaler die Diskussion, um so mehr werden Fakten in der Diskussion durch Meinungen und Haltungen ersetzt. Der Beitrag unternimmt den Versuch, anhand von aktuellen Beispielen und Quellen aus Forschung, Kunststoffindustrie, Fachbehörden und NGOs die Potenziale von polymeren Werkstoffen und ihre Umweltauswirkungen differenziert zu betrachten und daraus Handlungsoptionen und Forschungsansätze abzuleiten, die zur Gewinnung nachhaltiger technischer Lösungen geeignet scheinen.

Niemand möchte Verpackungsabfälle am Strand oder Mikroplastik in der Nahrung, obwohl wir selbst die Verursacher sind und von Kunststoffanwendungen täglich profitieren. Polymere sind wichtige Bestandteile von Dingen, die zur Erhaltung von Ressourcen und unserer Gesundheit beitragen, etwa Sportartikel und medizintechnische Produkte, für Leichtbauteile für Windkraftanlagen und Fahrzeuge, oder auch Mikroelektronik- und Sensorkomponenten in intelligenten Steuerungen.

Kunststoffe sind Werkstoffe mit faszinierenden Eigenschaften, die uns im Alltag überall begegnen. Seit mehr als 100 Jahren, als Hermann Staudinger die Grundlagen der Makromoleküle beschrieb [1], wird unser Leben in zunehmendem Maß durch Polymere bestimmt, wobei der weitaus stärkste Zuwachs in den letzten 70 Jahren zu verzeichnen war (Bild 1).

Unser Leben mit Kunststoffen ist inzwischen sehr kompliziert geworden. Wir benötigen und verwenden sie in hohem Maß als Material für Gebrauchsgegenstände, als Baustoff, als Schutz für empfindliche Güter und in vielen anderen Anwendungen, wo sie nicht oder nicht so einfach zu ersetzen sind. Auf der anderen Seite haben wir mit „Plastik“ ein neuartiges Material in die Welt gesetzt, welches sich nicht in die natürlichen Stoffkreisläufe einfügt, sondern auch nach Gebrauch noch über Jahrzehnte und Jahrhunderte intakt bleibt. Welche Folgen dies hat, wird zunehmend klar, wenn wir Bilder von Kindern, die auf Deponien aufwachsen, von schwimmenden Müllinseln in den Ozeanen oder von notleidenden Tieren zu Gesicht bekommen. Besonders die kaum erkennbaren Mikroplastik-Partikel machen uns Sorgen, denn sie verbreiten sich unkontrollierbar in der Umwelt, in der Nahrungskette und – ja, schließlich auch in uns selbst [3]. Unser Müll kommt also jetzt ungefragt zu uns zurück und wirft damit viele Fragen auf.

Lösungspartner

IMP Institut für Mikrotechnik und Photonik
IMP Institut für Mikrotechnik und Photonik

 

Zielgruppen

Einkauf, Konstruktion & Entwicklung, Produktion & Fertigung, Qualitätssicherung, Instandhaltung, Unternehmensleitung