Dichtungskonzepte und technische Grenzen - Genauer bestrachtet

Kontrolle montierter Schrauben mit Drehmomentschlüsseln

Die Anforderungen an die Montage von Flanschverbindungen mit Dichtungen, Dichtverbindungen, Rohrleitungen und Apparaten sind in den letzten Jahren deutlich erhöht worden. In vielen Fällen wird inzwischen nach Montageanweisungen, z.B. dem VCI-IGR Leitfaden zur Montage von Flanschverbindungen in verfahrenstechnischen Anlagen oder ähnlich, gearbeitet. Aus den Anweisungen ergeben sich i.d.R. Tabellen mit Montageanzugsdrehmomenten. In einigen Fällen fehlt allerdings der sehr wichtige Hinweis zum Reibungskoeffizient. Ein Drehmoment ohne ihn anzugeben, ist technisch nicht zulässig. Das „Abknicken“ des Drehmomentschlüssels ist nur ein Hinweis auf das erreichte Drehmoment am Mechanismus des Werkzeuges und kein sicherer Hinweis auf die erreichte Vorspannkraft – denn das Montageergebnis hängt von verschiedenen Einflussfaktoren ab (BIld 1).

Viele Montageanweisungen enthalten Angaben zur Prüfung des Montageergebnisses durch „Abknicken“ mit einem Drehmomentschlüssel. Diese Vorgehensweise ist eine rein attributive Prüfung mit dem Ergebnis „Schraube ist lose oder Schraube ist fest“ und ergibt keine Information über die in der Schraubverbindung vorhandene Vorspannkraft. Damit lässt diese Art der Prüfung auch keinen Rückschluss auf die Dichtheit bzw. Leckagerate der Dichtverbindung zu. Einzig und allein eine Prüfung der Schraubenvorspannkraft über Kraft- oder Längenmessung ist möglich (siehe VDI 2200 und VDI 2862-2). Aber damit noch nicht genug – auf Basis dieser Prüfmethode werden in der Praxis auch noch Prüfprotokolle erstellt. Über den Sinn dieser Protokolle muss man wirklich nicht mehr diskutieren, denn bei genauerer Betrachtung können sie keine gesicherte Aussage über die Funktion der Dichtverbindung im Betrieb bieten, die es sich lohnen würde, zu protokollieren.

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