29.08.2019

Nicht immer ist „schnell“ auch „gut“.

Klar, alles muss heute schnell gehen – auch das Kleben und das erst recht, wenn es sich um Fügen im industriellen Umfeld dreht.

Folglich taucht daher aktuell die Anforderung „schnellhärtend“ zunehmend in Lastenheften auf. Doch hier ein Appell zur Vorsicht: Ein schnell reagierender Klebstoff bringt hohe Voraussetzungen an den gesamten Prozess mit sich. Bei hochautomatisierten Dosier-, Misch- und Auftragsprozessen mögen Klebstoffe mit < 1 min. Topfzeit ja darstellbar sein, aber was ist bei der manuellen Applikation, z.B. in der Reparatur oder Nacharbeit? Auch ist die Klebstoff-Applikation selten eine Stand-alone-Lösung. Meist ist diese in den Gesamt-Fertigungsprozess integriert, d.h. alle Produktionsschritte müssen zum schnellen Klebstoff passen oder an diesen angepasst werden. Das bedeutet die Bereitstellung der Fügeteile, die Vorbereitung bzw. Vorbehandlung der Oberflächen usw. – alles muss bei Verwendung von schnell reagierenden Klebstoffen oder – genauer – bei solchen mit extrem kurzer Topfzeit ausgerichtet sein – alles!

Beim letzten ISGATEC-Dosierforum im Mai war von Klebstoffen die Rede, die eine Topfzeit von 2 s aufweisen – eine echte Herausforderung für den Anlagenbauer und später für die industrielle Produktionspraxis. Dazu nur ein Stichwort: Kurze Topfzeit heißt oft auch kurze Lagerzeit und stellt damit auch – vielleicht ungewohnte – Anforderungen an die Materialwirtschaft (Bestellturnus) und Logistik (Lagerung, interner Transport). Letztlich muss der Anwender für sich die Frage beantworten, ob er den damit verbundenen Aufwand zu leisten bereit ist und/oder ob er mit den Konsequenzen überhaupt umgehen kann. Kann er dies nicht mit einem klaren „Ja“ beantworten, macht es Sinn, über praktikable Alternativen nachzudenken, wie z.B. konditionierte Härtung, Wärme, Strahlung. Wie gesagt, „schnell“ ist nicht immer „gut“.

„Wer schnell sein will, braucht mehr als einen schnellhärtenden Klebstoff, sonst wird er ganz langsam.“ – Thomas Stein

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