26.11.2018

Ich bin kein Pessimist, aber...

...die Zeiten werden – nicht nur gefühlt – unsicherer. Dabei zwischen Politik und Wirtschaft zu trennen, war für eine Technologieexport-Nation wie Deutschland schon immer schwierig. Unsere Unternehmen sind/waren fest in ein westliches Wertebündnis eingebunden und haben sich auf dieser Basis einigermaßen verlässlich in einem globalen Wirtschaftssystem bewegt. Klar, unsere westliche Sicht der Dinge und unsere Vorgehensweisen beinhalten auch eine Portion Doppelmoral – aber das ist ein anderes Thema.

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Inzwischen ist Schluss mit lustig. Unsere langjährigen Partner kündigen einseitig internationale Verträge. Partnerschaften werden infrage gestellt. Das in der Vergangenheit gemeinsam Geleistete wird bestenfalls als sentimental, oft aber als Ballast abgetan. In der neuen politischen Kultur ist offene Erpressung salonfähig geworden. Wo früher die Beziehung durch Verlässlichkeit und gegenseitige Wertschätzung geprägt war, werden heute die „ehemaligen Freunde“ erpresst. Das Ziel: Bessere Bessere „Ergebnisse“ für sich selbst, das eigene Land und die eigene Wirtschaft (sofern es das noch gibt). Der Ansatz ist nicht neu, denn schon immer haben Diktatoren, Autokraten, globale Konzerne etc. mehr oder weniger offen mit Erpressung gearbeitet – auch bei uns. Man denke nur an die Systemrelevanz der deutschen Banken für das deutsche Gemeinwohl.

Das, was für Europa über den Atlantik gerade als Handelskrieg heraufzieht, ist die nächste Stufe auf dem Weg zur organisierten Kriminalität. Die bekämpfen wir zwar in Europa auch nicht ausreichend, wir erkennen sie aber noch als solche. Diese Wahrnehmung verlieren unsere transatlantischen Partner gerade etwas. Und wir hängen mittendrin. Die Produkte, die nach härtesten Straf- und Boykott-Androhungen in viele Länder nicht mehr geliefert werden dürfen, sind voll mit Dichtungen und Verklebungen.

Die Systemrelevanz vieler Lösungen im Bereich Dichten. Kleben. Polymer. wird hier schnell vom Segen zum Fluch. Denn auf das „Spielcasino“ der Mächtigen in den USA hat der deutsche Mittelstand keinen Einfluss. Er badet nur die Launen der Hasardeure und Marodeure aus, die dort am Spieltisch sitzen. Und nicht nur das: Er ist auch allen Spielern, die derzeit auf der Welt Hochkonjunktur haben, schutzlos ausgeliefert: Im Fernen Osten nutzt z.B. ein nicht demokratischer Staat sein Währungsgefälle und seine geringen Sozialstandards, bei gleichzeitiger Missachtung von Schutzrechten und/oder Patenten, um seinen Einfluss immer weiter auszudehnen. Die neue Seidenstraße ist kein Geschenk für die Länder, durch die sie gehen soll, sondern wird der Beginn einer neuen Abhängigkeit sein. Dieser Staatskapitalismus erwirbt mit dem erwirtschafteten Überschuss ganz gezielt Know-how und Marktführer, um sich in einem Segment nach dem anderen eine Weltmarktführerschaft zu sichern. Was die Bewohner dieses Landes in der Summe davon haben werden, ist noch nicht ganz klar, einigen geht es aber schon mal ganz gut. So, als gute Europäer schauen wir jetzt natürlich nach Europa und fragen: Was können die Vereinigten Staaten von Europa dem entgegensetzen? Wir haben ja immerhin mal etwas wie die Hanse auf die Beine gestellt. Allerdings iegt der hanseatische Kaufmann mit verbrannten Händen darnieder. Ob er je wieder einen Handschlag schafft, ist noch nicht sicher. Denn auch in Europa gewinnen die Hasardeure und Marodeure in Gestalt von Populisten die Oberhand. Was das in der Praxis bedeutet, werden wir demnächst beim Brexit erleben. Was macht man nun als deutsches mittelständisches Unternehmen in diesem wirtschaftspolitischen Klima? Wie sieht die Zukunftssicherung eines Exportstandortes aus, wenn die aktuellen Werte des weltweiten Handels am Spieltisch verzockt werden? Wer vertraut noch wem genug, um gemeinsam an neuen, langfristig verbindlichen Vereinbarungen zu arbeiten? Und wer hat dazu von unseren Politikern schon etwas Zukunftsorientiertes gehört? Ich bin ja kein Pessimist und sehe Veränderungen gerne als Chance, aber langsam sehe ich doch „dunkelgrau.“

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