08.06.2016

Trialogisch - Wo sind die Grenzen des Wachstums?

Wir sind stolz auf unsere technische Innovationskraft. Unsere Maschinen, Anlagen, Fahrzeuge etc. sind in der ganzen Welt begehrt – von einigen unschönen aktuellen Ausnahmen abgesehen. Fortschritt ist uns wichtig. Unsere Wirtschaft und unser Denken ist getrieben von einem „schneller, höher, weiter, kleiner, leichter, automatisierter etc.“ und konsequent auf Wachstum getrimmt. Doch wo ist die Grenze dieses Wachstums, an der auch Entwicklungen im Bereich „Dichten, Kleben, Polymer“ nicht unerheblich beteiligt sind? Ok, die Frage ist nicht neu, denn über die Grenzen des Wachstums – und damit indirekt auch die Grenzen des Fortschritts – wird seit Mitte des letzten Jahrhunderts immer wieder quer durch alle Branchen diskutiert. Einen erkennbaren Masterplan als Ergebnis gibt es bis heute nicht. Wir entwickeln uns aktuell anscheinend im Spiel freier Kräfte, die wir teilweise noch nicht mal richtig kennen. Wachstums-Pessimisten und -Optimisten bemühen jeweils wohlfeile und vielfach zitierte Argumente. Sie aufzuzählen ist müssig, denn die meisten prognostizierten Folgen werden wir nicht mehr erleben. Vielleicht liegt darin ein Dilemma.

Unser Wohlstand als Exportnation basiert auf dem Verkauf von immer mehr Produkten. Bei unserer Fokussierung auf immer neue wirtschaftliche Ziele machen wir selten eine gesellschaftliche Gesamtkostenrechnung und negieren zu oft unsere Verantwortung in einer global verzahnten Welt. Zum Thema „Verantwortung“ hört man hie rund da mahnende Worte. Mehr als Lippenbekenntnisse sind das aber selten. Aber genau hier stellt sich die Frage, ob wir uns nicht auch mal selber Grenzen setzen müssten? Nicht alles, was wir tun können, müssen wir auch wirklich tun. Und nicht alles,was mehr Umsatz bringt, rechnet sich bei ganzheitlicher Betrachtung. 

Die Abkehr vom reinen Wirtschaftswachstum wirft allerdings verschiedene Fragen auf, die auch schon ein Indiz sind, warum wir uns so wenig mit dem Thema beschäftigen. Wer definiert die Grenzen? Die Politik, Unternehmen, Verbände, neue Gruppierungen – wo sitzen die Meinungsbildner für solche Themen? Auf welchem wirtschaftlich konsensfähigen Wertefundament werden diese Grenzen definiert? Wer kommuniziert, dass Grenzen auch Verzicht, Veränderungen und Einschränkungen bedeuten können, mit dem Ziel, dass später etwas besser wird – und das nicht zwingend bei uns, sondern irgendwo auf der Welt? Wer macht deutlich, dass dies nicht unser Schaden sein muss? Und noch viele Fragen werden folgen. 

Auf all diese Fragen wird es sicher keine einfachen Antworten geben. Vielleicht müssen wir auch akzeptieren, dass wir unsere Gesellschaft und unsere Zukunft nicht mehr gestalten können, weil wir für das Wer, Wie, Wann und Warum weder ernstzunehmende Gesprächpartner, noch eine Diskursplattform haben. Inwieweit wir in unserer Gesellschaft noch ein tragfähiges Wertefundament haben, ist angesichts der aktuellen Flüchtlingsdiskussionen mehr als fraglich. Aber ein gemeinsames Wertefundament bräuchten wir auch für die Gestaltung unserer wirtschaftlichen Entwicklung und für die Frage, wofür wir unsere großen, aber letztendlich doch begrenzten Ressourcen einsetzen. 

Nehmen wir unsere Mobilität. Sie wird getragen von einem der mächtigsten und innovativsten Wirtschaftszweige, die wir haben und auf dem ein guter Teil unseres Wohlstandes beruht. Aber Jahr für Jahr fließen unendliche Ressourcen in Fahrzeugkonzepte, die endlich sind und die schon heute immer weniger Menschen brauchen. Wer entwickelt die neuen Mobilitätskonzepte – sind es die alten „Player“ mit der Kraft zum Wandel, die eingetretene Pfade verlassen, sich Grenzen setzen und auch dem ein oder anderen schnellen Euro widerstehen oder sind es neue Unternehmen, die keinen Wandel gestalten müssen? Auch mal Verzichten oder einen Gang zurückschalten ist dann der Preis einer Zukunftsperspektive. Der Diskurs darüber sollte schnell beginnen und mit dem Wertefundament einer Industrienation anzufangen, ist sicherlich nicht das Schlechteste.

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