24.06.2016

Sinnvoll fördern

Wofür geben wir – eine der reichsten Industrienationen – unser Steuergeld aus? Die Antworten auf dieses Thema sind immer wieder ein Streitthema. Denn man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass es hierfür eigentlich keinen Plan gibt, sondern,dass dies von der Fähigkeit verschiedener Interessensgruppen, sich Zugang zu den Fördertöpfen zu verschaffen, abhängt. Ein aktuelles Beispiel ist die Förderung der Elektromobilität mit mehr als 1 Mrd. € – um den Absatz von Elektrofahrzeugen anzukurbeln. Da hat sich die Beschäftigung von Lobbyisten wieder gelohnt. Diese Förderung wird quer durch die Bank als unsinnig gegeißelt. Zu Recht, denn die eigentlichen Verkaufshemmnisse, die geringe Reichweite und die fehlende flächendeckende Versorgung mit einheitlichen Ladestationen in Europa, werden damit nicht einmal ansatzweise gelöst.

Aber wieder hat es eine Branche geschafft,sich ein gutes Stück von Steuern, die sie oftmals gar nicht oder sehr reduziert zahlen,zu sichern. Und das, obwohl sie in den letzten Monaten eher mit hohen Gewinnen geglänzt hat. Es stört auch nicht weiter, dass die Hersteller seit geraumer Zeit aus Eigeninteresse solche Produkte forcieren, mit denen sie am

Cartoon DICHT! 2.2016

meisten Geld verdienen können und nicht solche, die zu einer notwendigen ökologischen Ausrichtung unserer Gesellschaft passen. Die, die ihnen jetzt das Geld bewilligen, die Politiker, sind auch nicht besser. Die brauchten nur ca. 132 Mio. €für einen zweitägigen G7-Gipfel im Schloss Elmau, der außer schönen Bilder eigentlich nur heiße Luft produziert hat. Aber es geht auch im Detail. 89.300 € kostete eine europäische Forschungsarbeit zum Thema „EUKlo-Label“. Nach zweijähriger Recherche zu den Toilettengewohnheiten der europäischen Bürger, wurde eine 60-seitige Studie veröffentlicht – toll. Solche Beispiele mahnt der Bund der Steuerzahler seit Jahren an – ohne Ergebnisse. Es scheint aber niemanden wirklich zu interessieren. Das wird wohl auch im Falle der renommierten und einzigen universitären Forschungsstelle für statische Dichtungen in der Anlagen- und Verfahrenstechnik, der Materialprüfanstalt MPA in Stuttgart, sein. Sie wird aufgrund mangelnder Förderungsgelder demnächst ihren ohnehin schon stark reduzierten Betrieb einstellen. Damit wird der institutionellen Grundlagenforschung in Deutschland mal eben so die Grundlage entzogen. Diese Kurzsichtigkeit macht einen fertig. Was soll man machen – laut schreiend in den Wald gehen? Bringt auch nichts – aber hier zeigt sich wieder deutlich, dass die Systemrelevanz von Dichtungen für Maschinen und Anlagen – heute und morgen – nur wenigen bewusst ist – und es fehlt an Lobbyismus, um an Fördergelder zu kommen. Und das in einem Land, das von seinen Ingenieursleistungen lebt. Es gibt fast kein industrielles Produkt, in dem nicht mindestens eine Dichtung eingebaut ist. Zeitgleich steigen die Verbraucheranforderungen an diese Produkte unaufhörlich. Die Aggregate sollen kleiner, leistungsfähiger, leichter werden und – wenn möglich – noch länger funktionieren. Und machen wir uns nichts vor: Daraus resultierende höhere Drücke und Temperaturen und schwierige Medienkombinationen in den Aggregaten erschweren zunehmend sinnvolle und absehbar machbare Lösungen. Da würde etwas Grundlagenforschung nicht schaden. Wenn man bedenkt, dass es europaweit keinen umfassenden Studiengang mit Abschluss „Dichtungstechnik“ gibt, wird einem bewusst, wie viel Überzeugungsarbeit und Engagement noch notwendig sind, das Augenmerk auf die Defizite in der Grundlagenforschung und Lehre zu lenken. Also ich wüsste, wofür man mit Steuergeldern sinnvoll fördern könnte.

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24.04.2018 16:13

Sinnvoll fördern (Freitag, 24. Juni 2016)

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